eine Geschichte

Wie ich zum Malen kam

- Die Geschichte vor dem Tun  -

…..zaghaft drücke ich den Klingelknopf. Der Wind des Klatsches und Tratsches hatte immer wieder sein Lied erzählt. Die Femme fatale… Sie war Malerin und Grafikerin, liebte ihren grauen Pudel und besonders  Männer. Nackt auf dem Tisch soll sie getanzt haben. Kein Mann, der ihren Hof betrat, durfte unverrichteter Liebesdienste wieder gehen.

 

Nicht einmal die Müllfahrer waren vor ihr sicher! Als besonderes Ärgernis in meiner Familie galt, dass sie von meinem Onkel zeitgleich mit meiner Tante geschwängert wurde. Ein anderes ihrer Kinder  war noch vom Bademeister, eines vom Fleischer und eines auch von ihrem Ehemann, dem Bruder jenes Onkels. Für mein elfjähriges Verständnis von der Welt sehr verwirrend. 

 

»Die Künstlerin, ist ja kein Wunder, die Künstlerin«, hieß es immer, als wäre dies

Erklärung für all die Aufregung in dem kleinen Orte meiner Großmutter;  überall wurde über sie geredet: Beim Einkaufen, beim gemütlichen Kaffeekränzchen, auf der Straße, im Schwimmbad, ja selbst auf dem Friedhof.

 

Als ich im Herbst, Oktoberferien, zu meiner Oma will. Es regnet - dazu Wind,

der tief in den Körper dringt. DDR Jacke an, schwer, schnell nass und nicht besonders wärmend. Aus irgend so einer Kunstfaser, alle Nachteile auf einmal. Bei Wärme noch wärmer, bei Kälte wie klirrendes Metall. Die Jacke wird immer schwerer, der Wind bläht sie auf. 

 

Stehe vor der Tür meiner Oma und die ist noch nicht da. Ich schaue mich um,

sehe in die Büsche, ob sie vielleicht den Schlüssel versteckt hat, keiner da.
Großer Mist!

Oma wohnt oben und die Künstlerin in der unteren Etage. 

Unheimlich, den Sündenpfuhl alleine zu betreten. 

 

In diesem Moment wird die Tür entschlossen aufgerissen. Bam!  Da steht sie.

Eine üppige Frau mit weiblichen Rundungen, in eine Küchenschürze gewickelt,

mit einer Nudelrolle in der Hand. Mit der Hand wischt sie sich eine Strähne aus dem Gesicht, die schwarzen Haare zu einem Dutt nach oben gesteckt. 

»Komm rein!«, sagt sie, als hätte sie schon auf mich gewartet. 

»Ich backe gerade Pflaumenkuchen. Das Oma Lenchen ist noch mal in den Ort rein.

Komm schon, beeil Dich, du tropfst ja alles voll!«

 

Ich stelle meinen kleinen Koffer in die Ecke, ziehe die Jacke aus und wische mir mit dem Ärmel die Tropfen von der Stirn.

Sie ist schon in der Küche und belegt das Blech weiterhin mit Pflaumen und drapiert anschließend die Streusel drauf.

 

Während der Kuchen bäckt gehen wir in ihr Atelier. Es ist ein großer, heller Wintergarten. Die bodenhohen Fenster rahmen den Herbst.  Der Regen läuft die Fensterscheibe hinunter, dahinter zappeln die kleinen gelben Birkenblätter im Wind.

Im Raum verteilt stehen überall Gefäße mit Pinseln, Stiften und Zeichenfedern. Farbtuben liegen auf einem großen Zeichentisch, verschiedene Papiere.  

Auf Paletten gibt es gelbe, rote, blaue, grüne Farbhäufchen, die auf ihren Tanz auf dem Papier warten. Durch den Raum sind Leinen gespannt mit Lithografien. 

 

»Ich illustriere gerade das Märchen von der Nachtigall von Hans Christian Andersen«, sagt sie. 

 

Durch den Geruch des Raumes nach Ölfarben, Holz und Leinen beginnt es zu duften, nach frischem Hefekuchen. Ich bekomme auch ein Stück und sie erzählt mir die Geschichte vom fernen China, der Nachtigall die frei sein muss, um ihre schönsten Lieder zu singen. Dabei zeigt sie auf die einzelnen Papiere, die auf der Leine aufgereiht sind. Da will ich auch malen und Künstlerin werden.

 

Franziska Tepla, August 2017

 


Ausstellungen

12.2015 - Aktbilder - Galerie Zahnarzpraxis Dr. Röhner, Berlin

01. 2016 - Farbklänge - Galerie  »La Girafe«, Berlin

01.2016   Malerei  -  Galerie im Kofi  -  Kunst, Kaffee, Kuchen, Berlin

01. 2016 - Farbklänge  - Malerei -  Galerie  »La Girafe«, Berlin

09. 2016 -  Farbzeit - Malerei -  Galerie  »La Girafe«, Berlin

06. 2017 - Neue Malerei  -  Galerie  »La Girafe«, Berlin

03. 2017 - Aktbilder -  Galerie Zahnarzpraxis Dr. Röhner, Berlin