Kleine PoesieN

Gedanken zur Bilderwelt von Franziska Tepla

Malen mit Buntstiften ist eine eher ungewöhnliche Art der Malerei. Manche meinen, es handele sich um Zeichnung, aber es ist Malerei. Denn von Malerei sprechen wir  immer dann, wenn Farbe zwingend wird. Wenn es nicht allein nur um hell und dunkel geht, sondern um verschiedene Farbtöne, die sich wechselseitig bedingen -

und das ist in der Tat bei diesen Werken zu sehen.

 

Franziska Tepla modelliert ihre Farbräume, indem sie Linie über Linie setzt.

Sie vermag  durch Überlagerung der Töne, helle und dunkle Bereiche  zu erzeugen, die  tiefen Raum hervorbringen.

 

Diese Fülle kleiner  Meisterwerke zu schaffen ist schon beachtlich - man könnte sagen, es sind kleine Poesien, die F. T. hier zeigt . Poesien über das Wachsen und  Werden.

 

Ihre Werke - manche nicht größer als eine Postkarte -  verlangen, dass man Abstand hält. Es scheint als würden sie sagen: »Trete ein Stück zurück, damit ich mich voll entfalten kann«.

 

Wenn ich diese Arbeiten betrachte, merke ich, dass mich meine Gedanken über die Bildkanten des eigentlichen Werkes hinaustragen und ich beginne zu philo-
sophieren: Sind es Welten? Oder ist es eine Welt?  Sind all diese Werke Teilaspekte, Nuancen eines großen Ganzen oder sind es viele Ganze, die da gezeigt werden?

 

Sicher sagen kann ich es nicht - ich behaupte aber: Es ist der Kosmos. Es ist die Fülle eines Ganzen und eben dieser Kosmos ist riesig, und hat mannigfache Aspekte. Jeder für sich autonom. So wie wir Menschen autonom sind, sind wir doch ein Teil des großen Ganzen (in) dieser Welt.

 

All diese Werke sind  im ständigen Prozess. Wenn ich mich von ihnen abwende und wieder zuwende, sehe ich stets Anderes, Neues.

 

Es sind fließende Formen, niemals statisch oder fest. Formen die sich verändern können, sich auf etwas hin entwickeln. Bis der Zeitpunkt kommt, dann werden sie nicht mehr sein. Denn dann wird etwas Anderes, Neues entstanden sein.

 

F. T. hat die Idee von der Entwicklung, vom fließenden Prozess der immer Neues, Großartiges hervorbringt, tief verinnerlicht.

 

Es  würde mich freuen, wenn Sie in Ihrer Betrachtung die Idee von der Veränderung im Herzen tragen. Vielleicht ermöglicht diese Ihnen, sich noch mehr an den Arbeiten von Franziska Tepla zu erfreuen.

 

Denn darum geht es doch, dass man sich an diesen Bildern erfreuen kann,
an den Farben, an der Tiefe, am großen Geheimnis! 

 

aus der Laudatio von Andreas Bauschke / 2017

gekürzt und überarbeitet von Kerstin Sorge